12. KAPITEL
Buffy und Kendra fuhren fort, einander mit erhobenen Fäusten zu umkreisen. Eine Weile waren nur ihre keuchenden Atemzüge zu vernehmen.
„Laß noch mal hören", brach Buffy schließlich das Schweigen. „Du bist was?”
„Ich bin die Jägerin."
Buffy blieb die Spucke weg. Die junge Frau, die ihr gegenüber stand, strahlte Gelassenheit und Kraft aus. Es lag etwas Königliches in ihrer Haltung. Und es war ziemlich klar, daß sie sich von niemandem etwas gefallen lassen würde.
Und doch war die ganze Geschichte einfach lächerlich.
„Nette Titelgeschichte", konterte Buffy. „Ich gebe dir einen Tip: Erzähl das jemandem, der nicht die echte Jägerin ist."
„Du kannst mich nicht aufhalten", gab Kendra ihr zu verstehen. „Auch wenn du mich tötest, wird es wieder eine neue Jägerin geben, die meinen Platz einnimmt."
Buffy war mit ihrer Geduld am Ende. „Könntest du mit die sem Jägerlatein aufhören? Ich bin die gottverdammte Jägerin!"
„Unsinn. Es kann nur eine geben - und die bin ich."
Wieder verfiel Buffy in Schweigen, die Wendung der Ereignisse überraschte sie. Und Kendra war so ungemein ernsthaft, daß sie nicht umhin konnte, sich zu fragen, ob ...
„Okay", gab Buffy fast widerwillig nach. „Folgendes: Ich höre auf. Du hörst auf. Du versprichst mir, nicht völlig auszunippen, bis wir zu meinem Wächter gegangen sind und rausgekriegt haben, was das alles zu bedeuten hat!"
Kendra runzelte die Stirn. „Auszuflippen?"
„Du weißt schon - kein Treten, kein Hauen, kein Stechen, ja?"
Kendra dachte nach. Dann trat sie einen Schritt zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich nehme die Bedingungen an."
Sie trauten einander immer noch nicht. Mit Argwohn und Verachtung im Blick ließen sie die Fäuste sinken, beobachteten einander aber immer noch aus den Augenwinkeln.
Schließlich brach Kendra das Schweigen. „Dein Englisch klingt sehr seltsam, weißt du das?"
„Ja, das liegt daran, daß du mich mit einer Axt geweckt hast." Pause. Dann: „Und du bist also geschickt worden?"
„Ja, von meinem Wächter."
„Und was genau sollst du hier tun?"
„Meine Pflicht", erwiderte Kendra. „Ich bin hier, um Vampire zu töten."
Angel blickte zu den hohen Fenstern empor. Sonnenlicht fiel durch die vergitterten Scheiben und flutete in den Raum.
Er konnte kaum noch atmen.
Buffy...
Er zwängte sich in eine Ecke, versuchte sich so klein wie möglich zu machen, versuchte, wenigstens einen Zollbreit mehr zwischen sich und das drohende Tageslicht zu legen.
Er dachte an Buffy, fragte sich, ob sie in Sicherheit war, verfluchte sich selbst, weil er so hilflos war.
Die Sonne wanderte über den Boden und ließ ihm nur noch einen kleinen dunklen Fleck. Jede Minute rückte der helle Schein näher heran.
Angel schwitzte vor Angst. Sein Körper war von Schmerzen gepeinigt.
Er schloß die Augen und versuchte, sich die Dunkelheit vorzustellen.